Kategorie: Gedanken

archiv/e – Ein Blog. Ein Magazin.

Ein neues Magazin. Zum Lesen und Bilder schauen. Ganz ohne Timeline scrollen. Weil es soviel mehr ist. Ich bin überzeugt von der Idee, Digitales festzuhalten. Auf Papier, zum Durchblättern und in den Händen halten. Denn das ist es was ich mag: Seite für Seite umblättern und darin versinken, zur Seite legen und wieder danach greifen. Um nicht zu vergessen.

Ein Projekt das es zu unterstützen lohnt.

Weil es nachhaltig ist.

Gute Vorsätze – Short Stories #1

Bine und Andrea haben zu ihrer neuen Jahresaktion „Short Stories“ aufgerufen. Das Januar-Thema ist, wie sollte es auch anders sein, „Gute Vorsätze“. Fotos mit aufgehübschten Motiven sollen dabei in den Hintergrund rutschen und das Schreiben an sich steht im Fokus. Ich finde die Idee ganz wunderbar, setz ich mich doch dabei nochmal ganz intensiv mit einem Thema auseinander.

Peng. Altes Jahr vorbei. Jetzt müssen noch ganz schnell neue Vorsätze her. Neue, alte Vorsätze. Denn, meistens sind es doch dieselben wie im Jahr zuvor. Ganz oben auf der Rangliste stehen natürlich „Diät halten“, um den überschüssigen Kilos den Kampf anzusagen. Dicht gefolgt von „mehr Sport treiben“. Meine Aussagen dazu sind weder recherchiert noch allgemein gültig. Sie beruhen lediglich auf meinem Gefühl, auf meinen Eindrücken aus Gesprächen, aus Zeitschriften.

Peng. Mit dem Jahreswechsel wird ein Schlussstrich gezogen. Ein neues Jahr soll neues Glück bringen. Was davor geschah ist plötzlich verschwommen. Es wird nur noch nach vorn geschaut. Das alte Jahr mit all seinen schönen und manchmal auch weniger schönen Momenten hat da kaum noch Platz.

Ich habe keine Vorsätze für das neue Jahr. Ich habe auch keinen Schlussstrich hinter dem alten gezogen. Das kann ich nicht. Dafür denke ich viel zu gern an das vergangene Jahr mit all seinen Ereignissen und Herausforderungen zurück. Wenn ich nach vorn schaue, dann wünsche ich mir noch viele glückliche und gesunde Tage mit meiner Familie. Das ist das einzig Wichtige für mich.

Was sind Vorsätze überhaupt? Wofür braucht man sie? Damit ich mir am Anfang eines jeden Jahres neue Aufgaben stelle, um zumindest das Gefühl zu haben, ich würde nicht nur auf der Stelle treten?

Warum müssen Abnehmen, weniger Geld ausgeben, mehr Zeit mit der Familie verbringen, endlich mal wieder zum Yoga gehen, Vorsätze sein? Warum muss ich mich mit einem Vorsatz gewissermaßen dazu zwingen? Und warum, verdammt nochmal, immer zum 1. eines neuen Jahres? Warum? Und warum ist es scheinbar üblich, Vorsätze zu formulieren, die wir, wenn wir mal ehrlich sind, spätestens in der zweiten Jahreshälfte ohnehin aus den Augen verloren haben? Eher aber wohl schon in der letzten Januarwoche. Ich glaube mit solchen Vorsätzen verschwendet man seine Zeit und verliert die wirklich wichtigen Dinge aus den Augen.

Ich lebe jetzt. Und ich will meine Zeit genießen und wenn ich nach einer langen Flaute endlich mal wieder Joggen gehen möchte, dann mache ich das doch einfach. Weil ich Lust darauf habe und nicht, weil es sein muss. Keiner kann mich dazu zwingen. Ich mache das, weil ich Spaß daran habe, weil es mir gut tut. Also wozu zum Teufel muss ich mir das als Vorsatz nehmen?

Ich möchte noch so Vieles erleben und ich weiß, das ich es ganz allein in der Hand habe, wie mein Leben aussehen soll. Und deshalb mache ich auch nur das, was mir gut tut. Und das geht dann auch meistens ganz leicht von der Hand, eben weil ich es aus freien Stücken tue.

Ich trage keine rosarote Brille. Ich habe einfach zu oft erlebt, dass das Leben schneller vorbei sein kann, als es uns Allen lieb ist. Und ich glaube fest daran, dass ich selbst meines Glückes Schmied bin.

In diesem Sinne – genießt das schöne Leben! Ich tue es jedenfalls.

Mag sein, dass ich etwas vom Thema abgekommen bin, aber dieser ganze Vorsatzhype macht mich ganz verrückt im Kopf.

Von guten Vorsätzen und einer neuen Rubrik

Gerade saßen wir noch bei Mutti an der festlich gedeckten Weihnachtstafel mit Rotkraut, selbstgemachten Klößen und Gänsebraten und schon sind wir im neuen Jahr angekommen. Wir beginnen das Jahr, wie sollte es auch anders sein, mit guten Vorsätzen. Es sind natürlich die gleichen wie im Jahr zuvor. In der Rangliste ganz oben steht weniger essen und abnehmen, dicht gefolgt von mehr Sport treiben.

Schon zu Beginn des Jahres ist von der Besinnlichkeit, die wir uns in der Weihnachtszeit doch so groß auf die Fahnen geschrieben haben, nichts mehr zu spüren. Der Alltag hat uns wieder. Aus den Zeitschriftenregalen scheint unser schlechtes Gewissen zu uns zu sprechen: „Runter mit dem Weihnachtsspeck“ oder „Schlank ins neue Jahr“.

Wo wir uns doch alle in den letzten Wochen beim Pfefferkuchen essen und Teig naschen versicherten, dass die Weihnachtskalorien nicht so richtig zählen. Nun müssen wir ernüchtert feststellen, dass dem nicht so ist. Wir schleppen uns widerwillig ins Fitnessstudio und versuchen dort, keuchend und puterrot im Gesicht, mit 20 anderen Frauen die überschüssigen Kilos wieder runterzustrampeln. Und während wir uns leise fluchend und stinkend auf dem Crosstrainer abrackern und über die nächsten Diätpläne nachdenken, müssen wir feststellen, dass es ein Hirngespinst war, anzunehmen, hemmungsloses Essen könnte uns nichts anhaben. Jetzt sitzen wir, wie im Jahr zuvor, mit Wasser, Gemüsesticks und Kräuterquark da. Beim Kräuterquark greifen wir selbstverständlich auf die Light-Version zurück. Denn, schmecken darf das Ganze ja nicht. Schließlich halten wir Diät. Freiwillig natürlich.

Solche oder ähnliche Gedanken gingen mir in den vergangenen Jahren oft durch den Kopf. Ich meine die Art von Gedanken, die einen quälen und von den wesentlichen Dingen des Lebens ablenken.

Mein Vorsatz für dieses Jahr heißt deshalb “leben“. Klingt platt und abgedroschen? Ist aber so. Ich möchte mein Leben so richtig genießen. Und wenn dazu zählt, auch im Januar nochmal einen fetten Braten zu essen, dann ist dem so. Und manchmal gehört für mich zum Genießen eben auch das weniger und bewusste Essen dazu.
Klingt nach einem großen Widerspruch?

Es war im März 2013. Wir fuhren nach einem Wochenende in der Ferne zurück nach Hause. Die Autofahrt war lang und das Wetter draußen recht ungemütlich. Er fuhr und schwieg. Die ganze Autofahrt. Ich als Beifahrerin. Die Stille im Auto konnte ich noch nie ertragen. Aber der Versuch mit ihm zu reden scheiterte gänzlich, wie die Male davor auch. Autos und Wälder zogen an mir vorbei und in meinem Kopf spielte sich plötzlich ein Szenario ab. Ich fühlte mich dick, so dick wie nie zuvor. Und ich war es auch. Ich wollte abnehmen. Ja, das will jede Frau. Aber ich wollte es wirklich. Diesmal war es mir ernst. Ich sprach meine Gedanken laut aus und verwickelte ihn in ein Gespräch.

Diese Autofahrt hat Vieles verändert. Ich habe meine Ernährung umgestellt und verzichte nun abends sehr oft auf Kohlenhydrate – insbesondere Nudeln, Kartoffeln und Reis. Seitdem genieße ich mein Leben, wie nie zuvor. Der Verzicht auf Nudeln und Konsorten öffnete mir eine neue Tür. Ich hatte bis dato Salat, Gemüse und teilweise auch Obst gänzlich gemieden. Um Alles, was gesund aussah, machte ich einen großen Bogen. Das klingt jetzt alles so, als hätte ich Tag für Tag im Schlabberlook auf dem Sofa gesessen und mich nur von Schokoriegeln, Pizza und Burgern ernährt. Ganz so schlimm war es natürlich nicht.

Ich wollte abnehmen, das stand fest. Aber Diät halten war nicht meins. 2 Wochen konsequenter Verzicht auf Fettes und Süßes und den Tag mit Eiweißdrinks überstehen, um am Ende doch wieder in alte Verhaltensmuster zu verfallen, sollte mir nicht passieren. Also musste ich mir meinen eigenen Plan erstellen. Nicht Alles, was im Internet als „low carb“ und „healthy“ betitelt wird, fand meinen Zuspruch. Und so habe ich viele Stunden damit verbracht, Rezepte zu studieren, auf „Jule-Tauglichkeit“ zu prüfen und umzuschreiben. Denn was nicht passte, wurde passend gemacht.

Die Rezepte, die mich auf dem Weg begleiteten, möchte ich euch hier in einer neuen Rubrik vorstellen: Tschüss Kartoffel & Co. Im Topf und in der Pfanne landen hauptsächlich frisches Gemüse, Salat und Fleisch – Fertigprodukte, Nudeln, Reis und Kartoffeln bleiben oft im Supermarktregal.

Alltag vs. Sehnsucht

Der letzte Post liegt nun schon 3 Wochen zurück und irgendwie finde ich nach so langer Zeit hier keinen richtigen Anfang. Ohne Ankündigung, ganz still und leise habe ich mich davon gemacht. Die Wanderlust hatte mich gepackt und so ging es, mit dem Zelt unterm Arm, für 2 Wochen nach Frankreich. Nun bin ich wieder zurück und doch noch nicht ganz da. Der Alltag will bewerkstelligt werden, was mir nach so einer Auszeit nur sehr schwer gelingen mag.

Gedanklich plane ich bereits den letzten Teil des Jahres und bin innerlich schon auf die kommende Jahreszeit eingestellt. Der Herbst und ich, das ist was ganz enges, was besonderes. Und so bin ich zwar wieder da aber stehe doch noch ganz neben mir. Der Alltag versucht mich einzufangen. Und immer ist da dieser bittere Beigeschmack. Aber ich sehne mich woanders hin. Ich japse nach Luft und suche die schönen Dinge im Leben. Nichts Großes. Die Kleinigkeiten sind es, die ich zu schätzen gelernt habe.

Und so liege ich hier, schaue mir all die zauberhaften Blogs an, höre Musik und träume mich weg. Und plötzlich knurrt mein Magen und ich bin wieder im Hier. Der Kühlschrank leer und der Hunger groß. Das Träumen wird immer dünner und der Alltag drängt sich so immer mehr in den Vordergrund. Aber da ist die Sehnsucht nach all dem Schönen. Und plötzlich dreht sich der Schlüssel im Türschloss und er kommt mit etwas Essbarem herein. Und die Sehnsucht ist immer noch zu spüren. Sie hinterlässt ihre Spuren und weicht nicht von meiner Seite. Fuck Alltag. Ich bin wieder hier.

Travis – Moving from Wriggles & Robins on Vimeo.