Kategorie: Gedanken

Von guten Vorsätzen und einer neuen Rubrik

Gerade saßen wir noch bei Mutti an der festlich gedeckten Weihnachtstafel mit Rotkraut, selbstgemachten Klößen und Gänsebraten und schon sind wir im neuen Jahr angekommen. Wir beginnen das Jahr, wie sollte es auch anders sein, mit guten Vorsätzen. Es sind natürlich die gleichen wie im Jahr zuvor. In der Rangliste ganz oben steht weniger essen und abnehmen, dicht gefolgt von mehr Sport treiben.

Schon zu Beginn des Jahres ist von der Besinnlichkeit, die wir uns in der Weihnachtszeit doch so groß auf die Fahnen geschrieben haben, nichts mehr zu spüren. Der Alltag hat uns wieder. Aus den Zeitschriftenregalen scheint unser schlechtes Gewissen zu uns zu sprechen: „Runter mit dem Weihnachtsspeck“ oder „Schlank ins neue Jahr“.

Wo wir uns doch alle in den letzten Wochen beim Pfefferkuchen essen und Teig naschen versicherten, dass die Weihnachtskalorien nicht so richtig zählen. Nun müssen wir ernüchtert feststellen, dass dem nicht so ist. Wir schleppen uns widerwillig ins Fitnessstudio und versuchen dort, keuchend und puterrot im Gesicht, mit 20 anderen Frauen die überschüssigen Kilos wieder runterzustrampeln. Und während wir uns leise fluchend und stinkend auf dem Crosstrainer abrackern und über die nächsten Diätpläne nachdenken, müssen wir feststellen, dass es ein Hirngespinst war, anzunehmen, hemmungsloses Essen könnte uns nichts anhaben. Jetzt sitzen wir, wie im Jahr zuvor, mit Wasser, Gemüsesticks und Kräuterquark da. Beim Kräuterquark greifen wir selbstverständlich auf die Light-Version zurück. Denn, schmecken darf das Ganze ja nicht. Schließlich halten wir Diät. Freiwillig natürlich.

Solche oder ähnliche Gedanken gingen mir in den vergangenen Jahren oft durch den Kopf. Ich meine die Art von Gedanken, die einen quälen und von den wesentlichen Dingen des Lebens ablenken.

Mein Vorsatz für dieses Jahr heißt deshalb “leben“. Klingt platt und abgedroschen? Ist aber so. Ich möchte mein Leben so richtig genießen. Und wenn dazu zählt, auch im Januar nochmal einen fetten Braten zu essen, dann ist dem so. Und manchmal gehört für mich zum Genießen eben auch das weniger und bewusste Essen dazu.
Klingt nach einem großen Widerspruch?

Es war im März 2013. Wir fuhren nach einem Wochenende in der Ferne zurück nach Hause. Die Autofahrt war lang und das Wetter draußen recht ungemütlich. Er fuhr und schwieg. Die ganze Autofahrt. Ich als Beifahrerin. Die Stille im Auto konnte ich noch nie ertragen. Aber der Versuch mit ihm zu reden scheiterte gänzlich, wie die Male davor auch. Autos und Wälder zogen an mir vorbei und in meinem Kopf spielte sich plötzlich ein Szenario ab. Ich fühlte mich dick, so dick wie nie zuvor. Und ich war es auch. Ich wollte abnehmen. Ja, das will jede Frau. Aber ich wollte es wirklich. Diesmal war es mir ernst. Ich sprach meine Gedanken laut aus und verwickelte ihn in ein Gespräch.

Diese Autofahrt hat Vieles verändert. Ich habe meine Ernährung umgestellt und verzichte nun abends sehr oft auf Kohlenhydrate – insbesondere Nudeln, Kartoffeln und Reis. Seitdem genieße ich mein Leben, wie nie zuvor. Der Verzicht auf Nudeln und Konsorten öffnete mir eine neue Tür. Ich hatte bis dato Salat, Gemüse und teilweise auch Obst gänzlich gemieden. Um Alles, was gesund aussah, machte ich einen großen Bogen. Das klingt jetzt alles so, als hätte ich Tag für Tag im Schlabberlook auf dem Sofa gesessen und mich nur von Schokoriegeln, Pizza und Burgern ernährt. Ganz so schlimm war es natürlich nicht.

Ich wollte abnehmen, das stand fest. Aber Diät halten war nicht meins. 2 Wochen konsequenter Verzicht auf Fettes und Süßes und den Tag mit Eiweißdrinks überstehen, um am Ende doch wieder in alte Verhaltensmuster zu verfallen, sollte mir nicht passieren. Also musste ich mir meinen eigenen Plan erstellen. Nicht Alles, was im Internet als „low carb“ und „healthy“ betitelt wird, fand meinen Zuspruch. Und so habe ich viele Stunden damit verbracht, Rezepte zu studieren, auf „Jule-Tauglichkeit“ zu prüfen und umzuschreiben. Denn was nicht passte, wurde passend gemacht.

Die Rezepte, die mich auf dem Weg begleiteten, möchte ich euch hier in einer neuen Rubrik vorstellen: Tschüss Kartoffel & Co. Im Topf und in der Pfanne landen hauptsächlich frisches Gemüse, Salat und Fleisch – Fertigprodukte, Nudeln, Reis und Kartoffeln bleiben oft im Supermarktregal.

Alltag vs. Sehnsucht

Der letzte Post liegt nun schon 3 Wochen zurück und irgendwie finde ich nach so langer Zeit hier keinen richtigen Anfang. Ohne Ankündigung, ganz still und leise habe ich mich davon gemacht. Die Wanderlust hatte mich gepackt und so ging es, mit dem Zelt unterm Arm, für 2 Wochen nach Frankreich. Nun bin ich wieder zurück und doch noch nicht ganz da. Der Alltag will bewerkstelligt werden, was mir nach so einer Auszeit nur sehr schwer gelingen mag.

Gedanklich plane ich bereits den letzten Teil des Jahres und bin innerlich schon auf die kommende Jahreszeit eingestellt. Der Herbst und ich, das ist was ganz enges, was besonderes. Und so bin ich zwar wieder da aber stehe doch noch ganz neben mir. Der Alltag versucht mich einzufangen. Und immer ist da dieser bittere Beigeschmack. Aber ich sehne mich woanders hin. Ich japse nach Luft und suche die schönen Dinge im Leben. Nichts Großes. Die Kleinigkeiten sind es, die ich zu schätzen gelernt habe.

Und so liege ich hier, schaue mir all die zauberhaften Blogs an, höre Musik und träume mich weg. Und plötzlich knurrt mein Magen und ich bin wieder im Hier. Der Kühlschrank leer und der Hunger groß. Das Träumen wird immer dünner und der Alltag drängt sich so immer mehr in den Vordergrund. Aber da ist die Sehnsucht nach all dem Schönen. Und plötzlich dreht sich der Schlüssel im Türschloss und er kommt mit etwas Essbarem herein. Und die Sehnsucht ist immer noch zu spüren. Sie hinterlässt ihre Spuren und weicht nicht von meiner Seite. Fuck Alltag. Ich bin wieder hier.

Travis – Moving from Wriggles & Robins on Vimeo.